175 Jahre Katholischer Kirchenchor Schramberg

Von Antonie Anton

Mit stehenden Ovationen und jubelnder Begeisterung nahmen die Zuhörerinnen und Zuhörer in der vollbesetzten Pfarrkirche Hl. Geist das Gemeinschaftskonzert der Kirchenchöre Schramberg und Spaichingen anlässlich des Jubiläums 175 Jahre Kirchenchor Schramberg auf. Die Vorsitzende des Kirchenchors Schramberg, Susanne Gwosch konnte rund 500 Besucher begrüßen. Sogar auf der Galerie mussten Stühle gestellt werden. Vereint mit den Blechbläserstimmen der Swabian Brass and Friends schlossen sich die ca. 150 Gesangsstimmen der gemischten Chöre zu einem hochqualifizierten grandiosen Klangkörper zusammen. Vollendet wurde das Klangbild durch Späth-Orgel, die von Sebastian Küchler-Blessing in Solo und Begleitung meisterhaft gespielt wurde. Englische Kathedralmusik vom Feinsten hatten die beiden Chorleiter, Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer und Dekanatskirchenmusiker Georg Fehrenbacher, für das exquisite Programm ausgewählt. Welche Faszination diese moderne englischsprachige Chormusik ausüben kann , das erlebten die Besucher in einem Feuerwerk inspirierter Kompositionen. Eröffnet wurde das Konzert mit den festlichen Klängen der „Royal Fanfare“ von Arthur Bliss, mit der die „Swabian Brass and Friends“ schon den Grundcharakter der Feierlichkeit dieses Konzerts betonten. Ein rhythmusbetontes „Alleluja“ von Philip Stopford mit lieblichen Frauenstimmen in jubilierenden Höhen machte Lust auf weitere Werke dieses Kompositionsstils. Aus der Ausdruckskraft der Spirituals schöpfte der Chor „Here I am, Lord“ aus der Feder des amerikanischen jesuitischen Kirchenmusikers Daniel Schutte. Der Refrain „Here I am“ klang wie ein feierliches Bekenntnis, das in der letzten Strophe noch mit dem aufgelegten Silberschleier der Frauenstimmen wie eine Botschaft aus der anderen Welt klang. Eine Jazz-Combo (Keyboard: Sebastian Küchler-Blessing, Bass: Meinrad Löffler, Schlagzeug: Ralf Reiter). leitete im Chorraum mit schwungvoller Dynamik in die „Little Jazz Mass“ von Bob Chilcott ein. Das Frauenensemble, geleitet von KMD Rudi Schäfer, ließ sich beim rhythmischen Kyrie von der leidenschaftlichen Bewegung anstecken, während das Gloria nach lebhafter Einleitung in schöner Mehrstimmigkeit einen sehr andachtsvollen Ausdruck annahm bis zum furios- ekstatischen Amen-Finale. Mit strahlenden Klängen eröffnete Orgelsolist Küchler-Blessing die Rhapsody No.3 cis moll von Herbert Howells. Über einem Orgelpunkt ertönten chromatische Leitern. Über einem schwarzen Bass blühten Melodiefragmente auf. Zarte Rufe erhielten Antwort wie aus einer fernen Unterwelt. Nach einem vulkanischen Feuer stiegen über der mächtigen Tiefe triumphierende Höhen auf. Brillanter Höhepunkt des Konzerts war sicherlich das 1974 entstandene dreisätzige „Gloria“ von John Rutter, dem wohl bekanntesten Vertreter der englischen Kathedralmusik. Die Blechbläserbesetzung mit 4 Trompeten, 3 Posaunen und Tuba verlieh dem Werk eine immense Klangpotenz, welche versuchte, die Herrlichkeit Gottes auf irdischer Ebene darzustellen. Eingeleitet von wuchtigen Paukenschlägen und Trompetenstößen stimmte der Chor mit gewaltigem Volumen und wechselnd in Ausdruck und Besetzung das Lob Gottes an. Der erste Teil klang in einem rauschhaft-ekstatischen Fortissimo aus. Der zweite Satz mit feinen ätherischen Klängen über einem Orgel-Ostinato und verhaltenen Männer- und Frauenstimmen in schönen Harmonien gipfelte in einem sakralen Posaunenchor, gefolgt von einem getragenen A-capella-Chorsatz., der aber in einem grandiosen Crescendo den ganzen Kirchenraum eroberte. Beim Miserere glaubten die Zuhörer süße, überirdische Engelsstimmen zu vernehmen. Beim 3. Satz fühlten sich die Zuhörer im feurig-hämmernden Vivace e ritmico an die Carmina Burana erinnert. Angefacht vom Brass-Ensemble riss der tänzerische Rhythmus Ausführende und Zuhörer mit. Wie ein Festival der himmlischen Stimmen erklang das Amen, baute sich auf zu gewaltiger Stärke und steigerte sich zu ohrenbetäubender Ausdrucksdichte, so dass der Kirchenraum erzitterte. Zurückgeführt zu ruhiger Spiritualität wurden die Zuhörer wieder durch den weichen Sound des Sanctus und Agnus Dei der „Little Jazz Mass“. Stilistisch passend erklang vom Trompetenquartett und der Orgel der in seiner Feierlichkeit fast barock anmutende „Marche Triomphale“ von Jean Francaix. Beim „Ave Maria“ von Philip Stopford gestalteten Männer und Frauen die Melodiebögen ruhevoll und sehr gesammelt. Glanzvoller Schlusspunkt war der mit Pauken und Trompeten begleitete Choral „Nun danket alle Gott“ in einem Satz von John Rutter. Nach dem Orgelvorspiel trug der Gesamtchor den Choral mit Blechbläser- und Orgelbegleitung unisono vor. In der 2. Strophe entfaltete der Chor A-capella einen herrlich ausgewogenen Chorsatz, während sich in der 3. Strophe noch einmal alle Sing- und Instrumentalstimmen zu einer grandiosen ins Unermessliche gesteigerten Apotheose vereinigten, bevor der begeisterte Applaus der Zuhörer losbrandete.

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